Goeckes Solo "Cry Boy" wurde am 7. März 2015 in der Münchner Reithalle uraufgeführt
Im Rahmen des vom Fußball inspirierten Tanzabends "Hattrick" billiert Javier Ubell in Marco Goeckes neuem Solo, das Ballettdirektor Karl Alfred Schreiner in Auftrag gegeben hatte.
Foto: Marie-Laure Briane für das Gärtnerplatztheater
Tanz: Javier Ubell
Malver Gradinger schreibt am 12.3.2015 im Tanznetz: “Interessant die ganz anderen Ansatzpunkte von Stuttgarts Hauschoreograf Marco Goecke (…) Goeckes Solo „Cry Boy“ (zu Popmusik von The Cure) ist ein Eintauchen in die seelische Verfasstheit eines Sportlers oder Tänzers. Und sein Interpret Javier Ubell, die Kämpfe zwischen Sehnsüchten und Ängsten aus jedem einzelnen Muskel herauspeitschend, wird zu einem faszinierend über die Bühne flatternd-zuckenden Traumtanzwesen.”
Vom 15.03.2015 | Permalink »
Eine Uraufführung und zwei Erstaufführungen von Demis Volpi in Dortmund
Boris Michael Gruhl schreibt darüber im Tanznetz:
Foto: Gabriela Limatola, Dortmund Ballett
“Ganz anders dann der Streifen der Zweisamkeit in den Dortmunder Erstaufführungen von Demis Volpi, darunter befindet sich auch sein an diesem Abend uraufgeführtes Duett zu Igor Strawinskys swingender Musik „Ebony Concerto“ von 1945. “Drei Streifen: Tanz” also mit dem Stuttgarter Hauschoreografen, der bestens vertraut ist mit neoklassischen Traditionen und Techniken à la Cranko und dennoch gewandt und aufgeschlossen, um in seinen drei Stücken an diesem Abend durch zeitgenössischere Gefilde des Tanzes zu streifen.
Spielerisch, aber nicht verspielt, und auch ein wenig nostalgisch, aber auf keinen Fall rückwärtsgewandt, ist „Little Monsters“ zu den Ohrwürmern „Are You Lonesome Tonight“, „Love Me Tender“ und „Want You / Need You / Love You“ von Elvis Presley. Stephanie Ricciardi und Francesco Niro erzählen mit ihrem Tanz eine kleine Liebesgeschichte ohne Happy End, dafür beglücken sie das Publikum mit der Kunst ihres Tanzes, außergewöhnlich bei ihren Versuchen aus der Distanz keine Entfernung werden zu lassen. Die ausdrucksstarken Bewegungen der Arme und das Spiel der Hände sind von besonderem Reiz und Anspruch.
Abstrakter streifen dann Clara C. Sorzano Hernandez und Andrej Morariu in „Private Light“ zu Musik von Carlo Domeniconi und Heitor Villa-Lobos weitere Varianten der Zweisamkeit. Da ist die selbstbewusste Tänzerin mit toller Spitzentechnik. Verblüffend, wenn man erkennt, dass sie so gut wie nie mit beiden Spitzen den Boden berührt. Kommt der Partner hinzu, bleibt sie auch bei den Vorgaben in der „Spitzenposition“, und es macht viel Spaß zu erleben, wie ein Mann auf verlorenem Posten in einer Beziehung mit ungewissem Ausgang seine Position hält und ganz und gar nicht auf verlorenem Posten tanzt.
Zog sich schon durch diese Kreationen von Demis Volpi ein angenehmer Streifen heiterer Ironie, dann jetzt, in der Uraufführung erst recht. So wie Igor Strawinsky sich mit seinem „Ebony Concerto“ auch mit einem gewissen Augenzwinkern in die Gefilde der Jazz- und Swingmusik begibt, so nimmt der Choreograf diese bewegte Heiterkeit auf und gibt mit seinen tänzerischen Erfindungen noch etliche Streifen aus Witz und Übermut hinzu. Keine Geschichte, keine Handlung, nur die Musik bewegt, und wie sich Denise Chiaroni und Giuseppe Ragona hier rasant bewegen lassen, das bewegt auch das Publikum. Mit Jubel geht es in die Pause.”
Vom 24.02.2015 | Permalink »
Urauffühung von "Thin Skin" am 28.1. 2015 mit dem Nederlands Dans Theater 1 in Den Haag
Marco Goeckes neueste Uraufführung „Thin Skin“ ist eine Hommage an die Punkrock-Ikone und Dichterin Patti Smith, die bereits mit ihrem ersten Album „Horses“ (1975) Musikgeschichte schrieb.
Zehn Jahre, nachdem er Smith’ Song „Godspeed“ zum ersten Mal in seinem Stück „Ickyucky“ für die Stuttgarter Noverre-Gesellschaft choreographiert hat, setzt Goecke nun diese und fünf weitere Kompositionen der Godmother of Punk in Tanz um.
Die rhythmisch ausgeklügelten, manchmal atemlos klingenden Lyrics der Sängerin bilden mit Goeckes ureigener frenetischer Bewegungssprache eine klang- und bildgewaltige Synthese. „Die Gedankenwelt ist ein Bild. Dort unten in der Ecke: die Andeutung einer Spirale. Vielleicht ist sie ein Virus. Vielleicht ein Geistertatoo“, schreibt Smith, und Goeckes Tänzer, deren Haut mit zahllosen Tatoos übersät ist, kreieren Traumwelten, die sich permanent verändern. Empfindlich und zerbrechlich wirken sie, dann wieder stark und unaufhaltbar. Ein Blumenstrauß verglüht, er besteht aus unzähligen kleinen Funken: „Man pustet Kerzen aus, pustet Sterne an“, schreibt Smith, und genau wie sie sucht Goecke in den Wolken nach Zeichen und Antworten. Viele einzelne Soli reihen sich in „Thin Skin“ wie Perlen zu einer Kette, „sammeln, was gesammelt werden muss. Das Weggeworfene. Das Kostbare. Bruchstücke der menschlichen Seele, die sich irgendwie verflüchtigt haben”. Auch der Tanz bleibt flüchtig, aber er geht unter die Haut, die Haut der Dünnhäutigen.
Nadja Kadel
Vom 18.01.2015 | Permalink »


