Xenia Wiest hat mit ihrer Choreographie den ersten Preis des "Concours de jeunes choréographes" in Biarritz gewonnen
Das Ballet Malandain Biarritz hat in Zusammenarbeit mit dem Ballett der Oper von Bordeaux am 24. April 2016 den "Concours" Junger Choreographen in Biarritz veranstaltet, wo Xenia Wiest mit Ihrer Choreographie "To be continued" den 1. Preis gewann.
Der Preis sieht vor, dass sie im Frühjahr 2017 ein neues Stück für das Ballett der Oper von Bordeaux kreieren wird.
Foto (Nadja Kadel): letzte Probe in Berlin vor dem Wettbewerb
Vom 06.05.2016 | Permalink »
Marco Goecke probt für Nijinski
Marco Goecke – Preisträger 2006 des Prix Nijinsky in der Kategorie „Aufstrebender Choreograph“ – hat sich schon einmal mit dieser wohl faszinierendsten und vielschichtigsten Persönlichkeit der Tanzgeschichte beschäftigt. Zum 100. Geburtstag der Ballets Russes im Jahre 2009 entwarf er seine eigene Version von Michel Fokines Pas de deux Le spectre de la rose. Nun wird Goecke den Kosmos Nijinski erstmals in einer groß angelegten, abendfüllenden Choreographie erkunden. Das Theaterhaus Stuttgart ist glücklich, dass er sich zusammen mit den Tänzerinnen und Tänzern von Gauthier Dance auf diese Reise begibt. Eine Kombination, die schon jetzt eines garantiert: künstlerische Wechselspannung.
Das neue abendfüllende Ballett von Marco Goecke erzählt von dem Tänzer und Choreographen Waslaw Nijinski. Das Stück berührt Stationen aus seinem Leben, handelt von den Brettern, die die Welt bedeuten, und zeigt, wie nah Kunst und Wahnsinn beieinander liegen können.
Nijinski war einer der außergewöhnlichsten Künstler des vorigen Jahrhunderts. Als Tänzer verkörperte er Rollen, die Tanzgeschichte schrieben. Seine Partien bei den Ballets Russes unter Sergej Diaghilew, allen voran der Clown in Igor Strawinskis Petruschka, der Geist der Rose in Le spectre de la rose und der goldene Sklave in Scheherazade, gingen in das kollektive Gedächtnis der Tanzwelt ein. Dennoch sind es vor allem seine Choreographien, mit denen er künstlerisches Neuland betrat und Maßstäbe setzte. Der Eklat, den Nijinskis Le sacre du printemps bei dem Pariser Publikum 1913 auslöste, gilt als einer der größten Skandale der gesamten Theatergeschichte. Kaum weniger Anstoß erregte die unverhüllte Erotik in seinem Ballett L'après-midi d'un faune nach Claude Débussy.
Verwoben mit der Karriere ist sein Weg in den Wahnsinn. Er kämpfte gegen Schizophrenie an und musste sich zunehmend aus dem öffentlichen Leben zurückziehen. Nijinski erlebte beide Weltkriege und war als Patient einer Nervenheilanstalt der Bedrohung durch das nationalsozialistische Euthanasieprogramm ausgesetzt, dem er – gemeinsam mit seiner Frau Romola – nur mit knapper Not entkam.
Goeckes Ballett begleitet Nijinski durch die Etappen seines Lebens, zeigt Schlüsselszenen aus seiner Jugend, den Jahren des Triumphs und dem unaufhaltsamen Verfall. Dennoch geht das Stück weit über eine rein biographische Beschäftigung hinaus und zielt auf grundlegende Fragen. Im Mittelpunkt steht der Zauber und der Wert der Kunst – aber auch der Preis, den sie allen künstlerisch Kreativen unnachgiebig abverlangt. Mit im Team sind Partner, mit denen Marco Goecke eine lange Zusammenarbeit verbindet: die Bühnen- und Kostümbildnerin Michaela Springer, der Lichtdesigner Udo Haberland und die Dramaturgin Esther Dreesen-Schaback.
Theaterhaus Stuttgart, T1
Uraufführung am Freitag, 17. Juni 2016 / Samstag, 18. Juni – jeweils um 20:00 Uhr / Sonntag, 19. Juni um 19:00 Uhr / Dienstag, 21. Juni / Mittwoch, 22. Juni / Freitag, 24. Juni / Samstag, 25. Juni – jeweils um 20:00 Uhr / Sonntag, 26. Juni um 19:00 Uhr
Vom 10.04.2016 | Permalink »
Das Stuttgarter Ballett und das Nederlands Dans Theater zeigen zwei neue Uraufführungen von Marco Goecke
Innerhalb von einer knappen Woche werden zwei neue Choreographien von Marco Goecke uraufgeführt: "Lucid Dream" beim Stuttgarter Ballett und "Woke up blind" beim Nederlands Dans Theater.
Über den Stuttgarter Premierenabend schrieb Eva-Elisabeth Fischer in der Süddeutschen Zeitung: "Frenetischer Jubel: Drei Namen, drei Stile, drei Konzepte. "Forsythe/Goecke/Scholz" - diese Kombination allein garantiert schon ein Tanzfest beim Stuttgarter Ballett. Neu ist das Stück "Lucid Dream" von Marco Goecke. Es wird ebenso großartig und bis ins Kleinste perfekt getanzt wie auch Bill Forsythes synkopisch verschraubtes "Second Detail" und die in ihrer Musikalität kongeniale Beethoven-Anverwandlung "Siebte Sinfonie" von Uwe Scholz..
Malers 10. Sinofnie hatte sich Goecke für "Lucid Dream" gewählt, das Stück, zudem John Cranko seine letzte Choreographie "Spuren" geschaffen hatte. Fischer schreibt: "Je weiter "Lucid Dream" fortschreitet, desto stimmiger ergänzen die Musik und der Tanz einander in ihrer Gegensätzlichkeit. Goeckes Gruppen- und Solotänze lassen sich als Kürzel für Schlüsselszenen aus den letzten Lebenswochen des Komponisten lesen. Der litt, als er die Zehnte komponiere, an Körper und Seele."
Musikalisch sicherlich einfacher war da Goeckes Auswahl für das Nederlands Dans Theater: Die songs „You and I“ und „The way young lovers do“ des jung und tragisch verstorbenen Rockmusikers Jeff Buckley setzen sich auf unterschiedliche Weise mit der Liebe auseinander, der erste langsam und mit stark gedehntem Gesang, der zweite mit schneller, fast hektischer Gitarrenbegleitung. In beiden kommt der außergewöhnliche Stimmumfang des Sängers zur Geltung. Sie bilden die Grundlage für Marco Goeckes neueste Choreographie „Woke up Blind“. Die zwei Tänzerinnen und fünf Tänzer werden in eine Klangwelt hineingezogen, deren Intensität die Wirkung hat, als ob sie von allen Seiten gleichzeitig entzündet würden. Sie scheinen sich im Wettstreit mit Buckleys Stimmgewalt und den frenetischen Gitarrenklängen, vor allem des zweiten Songs, selbst zu übertreffen. Wie „young lovers“ werfen sie sich ohne Rücksicht auf Verluste, nur von Sehnsucht getrieben, ins Geschehen. Sie rütteln nervös an ihren roten Samthosen, wie wenn sie ihr gesamtes Dasein herausschütteln wollten, um es besser zu verstehen. Wieder einmal gelingt es Goecke, durch pure, hochkomplexe Bewegung an die Basis menschlicher Gefühle zu gelangen. Aus dem Hintergrund vom Licht weit entfernter Sterne beleuchtet, ist alle Aktion auf das Jetzt konzentriert, vielleicht blind vor Liebe, jedenfalls stark, weil sie nichts zu hinterfragen braucht.
Nadja Kadel
Foto Copyright: Stuttgarter Ballett
Choreographie: Lucid Dream von Marco Goecke
Tanz: Constantine Allen und Agnes Su
Vom 12.02.2016 | Permalink »


