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"Peekaboo" heißt Marco Goeckes neues Werk, das am 16. April 2013 in Wolfsburg mit der Sao Paulo Companhia de Danca uraufgeführt wird

Probenfoto: Nadja Kadel
Tanz v.l.n.r.: Morgana Cappellari, Nielson Souza, Rafael Gomes, Joca Antunes, Diego de Paula, Aline Campos, Marco Goecke, Ana Paula Camargo, Yoshi Suzuki

Häupter hinter Hüten

Die Frage von Sein und Nichtsein, die Linie zwischen Sichtbarkeit und Verschwinden hat den Choreografen Marco Goecke immer interessiert. In „Peekaboo“, seiner jüngsten Arbeit für die São Paulo Companhia de Dança, die als Weltpremiere bei den Movimentos Festwochen am 16.04.2013 in Wolfsburg uraufgeführt wird, beschäftigt er sich mit dem Verstecken und der Unsichtbarkeit auf spielerische Weise. Der Titel bezieht sich auf ein bekanntes Spiel für kleine Kinder: Der Erwachsene verbirgt sein Gesicht hinter etwas und tut damit so, als sei er verschwunden. Indem er das Gesicht wieder zeigt und „Peekaboo!“, also „Kuckuck!“ ruft, taucht er wieder auf. Das Stück beschwört Bilder aus der Kinderseele des Choreografen herauf, mit all ihrer Phantasie, Leichtigkeit und ihren Vergnügungen, aber auch mit ihren Ängsten und Albträumen. Hüte erscheinen als spielerische, aber auch unheimliche und traumhafte Elemente, die in ihrem Inneren das verbergen, was sie in Bewegung setzt.
Benjamin Britten komponierte die „Simple Symphony“ im Alter von 20 Jahren, griff dabei aber auf eine Skizze zurück, die er bereits mit neun Jahren geschrieben hatte. Im Gegensatz zu vielen anderen Komponisten, die ihre frühen Versuche später als Jugendsünden ablehnten, war Britten stolz auf seinen Entwurf und bezeichnete ihn mit britischem Understatement als „nicht uninteressant“. Berichte von Freunden und Verwandten bestätigen, dass er sich einige seiner Eigenschaften aus der Kindheit auch als Erwachsener bewahrt hatte. Dazu gehörten Gefühlsäußerungen ebenso wie die Freude an Spielen, Scherzen, Reimen und Verkleidungen. Goecke kombiniert Brittens Symphonie mit dem ziemlich rau klingenden finnischen Chor „Huutajat“, einem Ensemble von 30 Männern, die auf eine Weise schreien, wie es ihnen ihre Eltern wohl verboten hätten. Ist die Leichtigkeit von Brittens frühem Werk im Erwachsenendasein verschwunden? Verwandelt sich Musik in Schreien, wenn die Poesie der Kindheit in Vergessenheit gerät? Goeckes Choreografie mit ihren geheimnisvollen, zitternden, aber sehr präzisen Bewegungen und ihrer Kombination sehr verschiedener Klangerlebnisse führt die Spannung zwischen Phantasie und Entzauberung vor. Doch sie verführt uns auch dazu, auf das Kind in uns zu hören.
Nadja Kadel

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Vom 08.04.2013 | Permalink »

"Sweet Sweet Sweet", Marco Goeckes Choreographie aus dem Jahr 2005 kommt zurück

Das Ballet du Rhin in Mulhouse und das Tiroler Landestheater in Innsbruck bringen das bittersüße Stück mit den tausenden schwarzen Luftballons zurück auf die Bühne.

Foto: Tiroler Landestheater Innsbruck
Tanz: Roilán Ramos Hechavarria
“Ein bildgewaltiges Stück außergewöhnlicher Tanzkunst, das kleben bleibt” schreibt die Tiroler Landeszeitung am 8. April 2014 über diese Choreographie von Marco Goecke, die in ihrem Titel so zuckrig daherkommt. Seit der Uraufführung im Februar 2005 beim Stuttgarter Ballett haben fünf andere Kompanien SWEET SWEET SWEET in ihr Repertoire übernommen. Es ist vielleicht das bekannteste Stück von Goecke; sein überwältigendes Bühnenbild prägt sich dem Zuschauer unweigerlich ein. SWEET SWEET SWEET fesselt, man hasst es oder liebt es, gleichgültige Stimmen gibt es kaum, was im Übrigen für alle Werke von Goecke gilt: Sie bewegen, faszinieren, beängstigen, aber sie lassen nicht kalt.
Jede Bewegung ist bis ins kleinste Detail choreographiert, und doch bleibt jedem Zuschauer viel Spielraum für Assoziationen: Ein düster überschatteter Kindergeburtstag, ein Meer von dunklen und zerplatzenden Träumen, rauschende Walzertänze des Todes, ein groβer Diktator. Wo ein Zuschauer an Frösche denkt, sieht ein anderer Käfer oder auch Fabelwesen. Poetische Bilder entstehen und verschwinden binnen Sekunden. Oft kann man sich nicht genau erklären warum, doch diese Bilder dringen tief ein und hinterlassen etwas: Gänsehaut, ein neugieriges Verlangen nach mehr oder einen Schlag in die Eingeweide.
Ein einarmiges Wesen betritt die Bühne, gefolgt von einem zweiten, das das erste ergänzt, so das ein gemeinsames Weiterfliegen möglich wird. Wird doch alles noch gut? Duch die Düsternis ziehen sich zum Glück auch Hoffnung und Humor, wie Süβstoff in einem bitteren Trank.
Nadja Kadel

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Vom 08.04.2013 | Permalink »

Mit der Premiere seines abendfüllenden Balletts "Krabat" im Stuttgarter Opernhaus wird Demis Volpi zum Hauschoreographen des Stuttgarter Balletts ernannt

Vom 08.04.2013 | Permalink »

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