Agentur für Ballett/Tanz und Bühne

Erneuter Geniestreich von Marco Goecke mit "La Strada"

Der Choreograf Marco Goecke erneuert mit leichter Hand das Handlungsballett: Am Münchner Gärtnerplatztheater zeigt er "La Strada" nach Federico Fellinis neorealistischem Schausteller-Drama.

Foto: Tnaz: Javier Ubell, Verónica Segovia
Copyright: Marie-Laure Briane

Eva-Elisabeth Fischer schriebt darüber in der Süddeutschen Zeitung:

“Gewalt ist vom ersten Moment an allgegenwärtig in “La Strada”, Federico Fellinis neorealistischem Schausteller-Drama. Und so ist das auch bei Marco Goeckes Ballett “La Strada”, das er für die Kompanie des Gärtnerplatztheaters in München choreografiert hat. Die Männer schlagen zu, wenn sie unbekannte Gefühle nicht zulassen können; die Frauen sind für sie Ware, nach Gusto abgerichtet wie Hündchen.

Komponist Nino Rota ließ dazu melodramatisch aufwallen, was Zampanò erst ganz am Ende übermannt: die Verzweiflung über seine ungelebte Liebe und deren Verlust. Rotas Filmmusik, die er 1966, zwölf Jahre nach Fellinis berühmtem Film, zu einer Ballettsuite verarbeitete, begleitet Marco Goeckes “La Stada”, schwungvoll dirigiert von Michael Brandstätter und entsprechend energetisch musiziert vom Orchester des Gärtnerplatztheaters. Die Musik ist temperamentvoller, manchmal auch ironischer Kommentar zum Bühnengeschehen, denn Musik bloß zu vertanzen liegt Goecke fern. Vielmehr legt er noch eine weitere Klangschicht darüber: die Schreie, die unartikulierten Lautmalereien der Tänzerinnen und Tänzer, Klangpartitur derer, die unfähig sind auszudrücken, was sie bewegt.

Dabei bleibt der Choreograf eng an Fellinis Film, einzelne Szenen haben wie im Film deutlich Nummercharakter. Das bietet dem Ensemble allerdings die Gelegenheit, in einem groß angelegten Divertissement zu brillieren. Die einzelnen handlungsrelevanten Episoden sind dagegen eher als Zitate angelegt. Wer den Film nicht kennt, dürfte einige Schwierigkeiten haben, sich zurechtzufinden.

In dieser Vagheit liegt jedoch auch die Stärke der Choreografie: Goecke schafft so eine zeitgemäße Form des Handlungsballetts. Indem er die Geschichte einer verpassten Liebe abstrakt verfremdet, sogar bis zur Groteske wendet, aber ganz ohne Zirkusfolklore und Milieu-Tristesse, gelingt ihm ein großer Wurf. Der Tanz ist dabei nicht Diener der Handlung, er ist die Handlung. Er erzählt von den Menschen und schafft Erkenntnis über die Konsequenzen ihres Handelns. Das gelingt, weil Marco Goecke nach nunmehr sechzig Balletten, von denen er die meisten als Hauschoregraf fürs Stuttgarter Ballett kreierte, mit frappierend leichter Hand sein spezielles Bewegungsvokabular mit immer neuen Wendungen und Finessen versieht.

Gelsomina, die weibliche Hauptrolle in “La Strada” ist natürlich immer nur ein Teil einer Dreiecksbeziehung. Denn Zampanò, der brutale Kraftlackel, der sie als Sklavin hält, vergnügt sich mit Prostituierten. Özkan Ayik verkörpert ihn mit imposanter Präsenz, aber auch mit einem inneren Beben, das die Kraftpose unterläuft. Seine Gegenspieler sind Matto, der zartfühlende Seiltänzer Javier Ubell), und der Clown (Alessio Attansio) als jeweils missliebige Dritte. Bevor Zampanò Matto aus Eifersucht umbringt, sorgen die beiden Männer für die hinreißendste Szene des Abends: das wortlose Duell zweier Raucher, die, in einer Achteldrehung einander zugewandt, immer hektischer an ihren Zigaretten ziehen, bevor sie handgreiflich werden. Donnernder Applaus.”

Vorheriger Artikel  |  Nächster Artikel

Vom 23.07.2018 12.57 | Permalink »

Uwe Scholz' "Air!" ist nach vielen Jahren zurück in Stuttgart

Die John-Cranko-Schule bringt bei ihrer 20. Jahresabschlussvorstellung am 8. Juli 2018 „Air!“ von Uwe Scholz wieder auf die Bühne

Petra Mostbacher-Dix schreibt über die Vorstellung in den Stuttgarter Nachrichten:

“Sie erinnern an antike Statuen. Weit recken die Tänzerinnen ihre Arme gen Himmel, beseelt lächelnd. Auch als sie von ihren männlichen Gegenparts galant gekippt, mit ausgestrecktem Arm zur Seite zu gezogen werden, wirkt das leicht, elegant, wie Perlen an einer Kette. Dabei vollführen die Paare Hebungen und Figuren höchster Schwierigkeitsgrade. In seiner Choreografie zu Johann Sebastian Bachs „Air“ bewies der geniale Tanzschaffende Uwe Scholz 1982 einmal mehr, mit welcher Musikalität er gesegnet war. Der zu früh Verstorbene hätte in diesem Jahr seinen 60. Geburtstag gefeiert. Nun brachte Tadeusz Matacz, Direktor der John-Cranko-Schule, „Air“ wieder auf die Bühne. Und wie dies Studierende der Akademie A und B bei der 20. Jahresabschlussvorstellung der John-Cranko-Schule interpretierten, das war mehr als Tanz.”

Vorheriger Artikel  |  Nächster Artikel

Vom 11.07.2018 22.30 | Permalink »

Die John Cranko Schule tanzt "Air!" von Uwe Scholz am 8. Juli 2018 im Opernhaus Stuttgart

Gleich an zwei Abenden - am 8. und 21. Juli - präsentieren die Schüler der John Cranko-Schule in diesem Jahr ihr Können auf der Bühne des Stuttgarter Opernhauses. Im Zentrum der Abende steht UWE SCHOLZ, der am 31.12.2018 sechzig Jahre alt geworden wäre.

Zur Feier seines Jubiläums bringen die SchülerInnen seine Choreographie “Air!” zur Musik von Johann Sebatian Bach zurück auf die Stuttgarter Bühne – wo sie vor rund 36 Jahren ihre Uraufführung feierte. Es war die vierte Chreographie, die der damals 23-jährige Uwe Scholz für das Stuttgarter Ballett geschaffen hatte. Das Stück gehört zu den Wurzeln seines choreographischen Schaffens und ist Grundstein seiner virtuosen Handschrift. Glechzeitig war es jedoch auch ein Meilenstein in seiner Karriere als Choreograph: So verhalf es ihm zu Ernennung zum Hauschoreographen durch die damalige Ballettdirektorin Marcia Haydee.

Foto: Henrik Erikson, Yuki Wakabayashi, Navrin Turnbull und Ji Soo Park in der Probe zu Air!, © Ulrich Beuttenmüller

Vorheriger Artikel  |  Nächster Artikel

Vom 01.07.2018 10.58 | Permalink »

Nadjakadel.de © 2007 - 2019

Künstlermanagement Nadja Kadel

Designed by Designmaschine New Media Design - Powered by REDAXO - Hosted by All-inkl.com
Kontakt - Impressum - Haftung - Datenschutz
Sitemap